Schatten der Vergangenheit

Ich kenne diesen Ort. Es befindet sich tief im Wald, eine kleine Lichtung und eine Höhle, die momentan vom Nebel bedeckt wird. Die Sonne geht gerade auf.

Meine Erinnerungen streifen durch diese Gegend, sie erinnern zurück an die Zeit als ich hier aufgenommen wurde.
Ich untersuche die Umgebung. Es ist als würde ich immer noch die Wölfe sehen, die mir viel bedeutet haben. Ich erinnere mich an die Rudel denen ich meine Loyalität zusagte, um für ein gemeinsames Leben zu sorgen.
Ein schöner Ort, die Zusammenkunft aller Rudel zu ehren und von anderen Wölfen zu lernen.
Nichts von all dem existiert heute noch. Was ich sehe, bleibt eine Erinnerung.

Was führte uns fort von hier? Was haben wir falsch gemacht?
Ich war mir sicher ihr Stolz war nicht zu brechen, doch wurde ich eines besseren belehrt. Es schien so leicht zu sein seinem Leben den Rücken zu kehren.
Manchmal glaube ich dass mir klar wird was geschehen ist. Doch in Anbetracht wer ich bin, leitet mich dieser Gedanke zurück an das Unverständnis für diese Erfahrung.

Der Nebel legt sich. Langsam erkenne ich die verblasste Route die mich hierher führte.
Ich streife durch diesen Ort als ein Schatten der Vergangenheit. Seit dem Fall vor einiger Zeit, gibt es nur wenige die sich an meine Fährte erinnern würden.
Ich befürchte ich ereile mir den selben Status, wie die Wölfe die sich ihrer selbst entledigt haben.
Zwar vermag ich zu bleiben, wer ich bin,
doch wer ist jemand, den niemand kennt?

Ich weiß dass ich mehr für dieses Leben empfinde.
Ich weiß dass es noch mehr gibt, die versuchen ihren Platz zu finden.
Und ich weiß, dass ich mein Ziel nicht alleine erreichen werde.

Denn ein Wolf lebt nicht allein.

Heilung

Ein junger Wald, erfüllt von Leben.
Die Vögel singen ihre ruhigen Lieder.
Die Sonne strahlt durch enge Spalten zwischen den Blättern hindurch. Das Licht verteilt sich wärmend über meinen Körper.
Der Wind weht durch mein Fell, streichelt sanft hindurch.
Ich wittere die Erde, mit all seinen Pflanzen, mit all dem Leben das es gibt.
Ich legte mich hier zur Ruhe, angelehnt an der harten doch wohl fühlenden Rinde einer Eiche.

Ich beobachte meine Umgebung. Sehe wie die Welt sich aufbaut.
Ich lausche dem Wind, der sich vom Laub der Bäume bemerkbar macht.
Ich sehe klar, wie die Insekten in der Ferne durch das goldene Sonnenlicht fliegen.
Der Geruch des Waldes und der Erde verspricht neues Wachstum.
Ich spüre das Leben, auf dem Boden wie auf den Höhen der Bäume.
Dieser Wald ist gesund und er lebt in Frieden.

Ich fühlte mich noch nie so bewusst in meiner Umwelt, es scheint als wäre ich noch nie wach gewesen.
Alles hat seine Wichtigkeit, jedes Wesen trägt eine Verantwortung.
Sowie dieser Wald von den vielen kleinen Wesen lebt, gibt es auch Leben zurück.
Wir sind ein Teil dieser Welt.

Ich bleibe hier bis es all meine Wunden heilt.

Dem Tod wohnt eine tragische Macht inne, unbezwingbar durch deine eigene Kraft.
Den Kampf zu beginnen, bedeutet den Kampf aufgeben zu müssen.
Auf dass du selbst die Ruhe deiner Seele finden magst, Wolf.

Der letzte Laut

Ich befinde mich in einer kalten, aber ebenen Umgebung. Ich kann in der Nähe die Eisplatten durch das Wasser fließen hören.
Vor mir befinden sich zwei große Felsbrocken.
Einen Blick gehoben, sehe ich eine weiße Schneedecke über das Land verteilt. Ich senke wieder meinen Kopf und arbeite weiter.
Hier ist es ruhig, ruhig genug um deinen eigenen Herzschlag zu hören.
Ich weiß noch nicht wohin ich will, mir missfällt der Gedanke auch nur einen Schritt weiter zu gehen.

Weiter ohne ihn.

Er, der mir am meisten in meinem Leben was bedeutete. Derjenige der mich mein Leben lang begleitet hat.
Jener, der mir viel Freude in meinem Leben schenkte und ich ebenso ihm.
Er, dem ich meine lebenslange Treue und Schutz geboten habe. Derjenige, dem ich am meisten Vertrauen schenken konnte.
Jener, der mir immer Hoffnung im Leben versprach.
Er, mein bester Freund und Bruder.

Ich ziehe seinen Körper in das Loch, welches ich für ihn gegraben habe.
Ein letzter Blick hinein…
“Machs gut, mein Freund…
Auf dass man sich bald wiederfinden wird, Timon…”

Den Kopf gehoben, heul ich auf.

Schweren Glaubens fülle ich das Loch wieder mit Erde aus.
Ich lege mich neben sein Grab.
Ich bin noch nicht bereit zu gehen.
Ich warte hier…

Dieser Beitrag ist Timon gewidmet, der am 4. Juni 2014 um 13:45 Uhr verstarb.
Er war mein treuer Hund seit ich sieben Jahre alt war. Er ist friedlich in meinen Armen eingeschlafen.
Für immer in Gedanken, bei deinem jetztigen wie auch alten Rudel, deinen Freunden und bei mir.
Ich liebe dich. Ich werde dich niemals vergessen.

1999

Wir werden uns im Paradies wieder sehen.

Ich gebe nicht auf

Ich breche aus. Jetzt!
Ich habe mich lange genug in den Ranken festhalten lassen. Ich habe lange genug meine Umwelt vernachlässigt und in Selbstmitleid gebadet.
Ich nehme mir wieder zurück was mir gehört. Ich gebe wieder zurück, was ich anderen Schuldig bin.
Ich werde leben.

Ich richte mich auf. Ich trotze jeden Schmerz und jedes Ziehen an meinem Körper. Die Pflanze klammert sich enger um meinen Körper, die Dornen dringen tiefer ein. Jetzt ist der Moment gekommen meine Stärke zu beweisen und dem Wesen zu trotzen, welches mich verschlingen möchte. Jetzt darf ich nicht Schwach werden.
Ich beiße mich durch die dornbesetzten Ranken und reiße mir jeden Ast vom Körper, ich kämpfe.
Das hier ist nicht der Ort und nicht die Zeit zum Sterben. Ich werde leben.
Ich befreie mich von allem was mich festhält während ich mich von der Falle fortbewege. Ich fange an zu rennen, immer schneller.

Ich sehe einen Ausweg. Alles steuert darauf zu. Ich werde schneller, während ich die Falle hinter mir lasse. Gleich habe ich es geschafft.
Ich entkomme an den Waldrand, ich bin frei. Ich mache halt, atme die frische Luft und genieße das Licht. Mein Fell sträubt sich vor Entspannung.
Ein Blick darauf zurück, was mich fast mein Leben kostete, ein düsterer Ort.

Ich werde nun nicht ziellos herumlaufen. Diesmal weiß ich wohin ich will.

Ich werde zurückkehren.

iyby

Der Wolf ist wieder frei.
Ich werde leben.

Wille

Ich finde keinen Ausweg.
Ich befinde mich in einem dunklen Wald, so eng und verschlungen dass man nach jedem beschrittenen Ast nur noch mehr bedornte Äste sieht. Ich komme nur mit Mühe und stolpern voran. Die Äste wirken als würden sie nach mir greifen.
Diese Pflanzen sind kein Frieden für mich. Sie dienen wie eine große Fliegenfalle die sich um jede Nahrungsquelle zu wickeln scheint.

Es wächst in einer beachtlichen Geschwindigkeit immer dichter um mich. Träume ich? Die zugetragenen Kratzwunden jener Dornen sitzen tief im Fell und schmerzen mir stark, einige Wunden wurden bereits taub. Ich weiß nicht was mir lieber ist.

Wohin auch immer ich gehen wollte, ich befinde mich am Ende dieses Weges. Hier wird es nicht weiter gehen. Zurück kann ich nicht.
Wenn ich hier nicht heraus komme, würde ich verschlungen werden.

Ich werde nicht aufgeben…

Der Vergessene ist trauriger als der Verstorbene.

Kampf zweier Seelen

Ich dachte das würde es nie geben.

Ich habe mein Leben damit verbracht Anderen Gutes zu tun, doch nun muss ich fürchten Andere zu verletzen.
Ich bin befallen, von etwas Bösen. Es sitzt in meinen Kopf, es schwächt mich, mein Geist gibt nach, es ermüdet mich, doch gleichzeitig verspricht es mir Stärke.

Doch nichts hat mich mehr in die Irre geführt als diese Krankheit. Ich finde keine Hilfe. Weder an mir selbst, noch auf meinem Weg vor mir.
Ich weiß nicht wo ich mich befinde, alles sieht gleich aus. Meine Sicht ist beschränkt.
Jeder der mir zu Nahe tritt wird von mir verletzt. Meine Kontrolle wurde von etwas anderem übernommen. Etwas dessen Ursprung nicht meiner gehört.

Mein Inneres schreit vor Schmerz, doch die Krankheit macht es ungehört. Es ist als würde in mir ein schwerer Kampf stattfinden, seit sehr langer Zeit. Alles Gute in mir wird unterdrückt.

Doch bin ich nicht soweit gekommen um nun aufzugeben.
Ich habe es versprochen.

Wenn du dem Bösen gegenüberstehst, versuche nicht es anzugreifen.
Ertrag seinen Schmerz, und es wird dich für unverwundbar halten.

Der Beginn

Ich habe viele Jahre nicht verstanden was es damit auf sich hat.
Wenn ich jetzt darüber nachdenke, dann fürchte ich mich vor mir selbst. Ich fürchte mich davor großes Unheil angerichtet zu haben, etwas sehr wichtiges aus dem Gleichgewicht gebracht zu haben.
Doch glücklicherweise konnte ich ihr vertrauen schenken. Glücklicherweise hat sie mich nie fallen gelassen, wie sehr ich mich auch dazu strebte mein eigenes Leben in die Hand zu nehmen.

Wir haben alle Fehler gemacht. Doch der bedeutendste Fehler lag bei mir. Ich habe vergessen warum ich hier bin. Ich habe vergessen wer mir all das ermöglichte.

All die Jahre wehrte ich mich und suchte das Weite vor ihr. Ich suchte nach jener Wölfin die mir das Leben schenkte. Dabei war sie immer näher als ich vermutete. Sie war immer bei mir und sie hat niemals die Hoffnung an mir verloren.
Meine Mutter. Ich folgte den Ruf meiner Illusion, doch es war letztendlich nie mehr als das. Ich wusste nicht mehr wem ich glauben schenken sollte.

Jetzt habe ich es erkannt. Sie ist bei ihr. Sie lebt in ihr.

Danke dass du immer für mich da warst und mich nie aufgegeben hast.
Ich bin sehr stolz auf dich.

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Dein Fortschritt gepaart mit Illusion, verschafft dich fern von der Welt, doch bald zurück an den Anfang. Es liegt an dir, wann das geschehen wird.