Verlorene Wälder

Ich habe noch nie einen Wald wie diesen besichtigt. Er ist sehr groß, sehr mächtig, aber niemand wagt hier zu leben. Der Wald wirkt tot, aber ebenso lebendig. Man kann den Himmel nicht sehen, die Baumkronen sind zu dicht zusammengewachsen.

Was mache ich hier? Als ich den Wald sah brachte ich die Entscheidung mit mir diesen zu besichtigen, anstatt ständig auf dem selben Pfad zu wandern. In Hoffnung irgendwas zu finden was meine Schmerzen besänftigen könnte. Oder zumindest einen Unterschlupf.

Der Ort wirkt wie eine Ruhestätte. Hoffnungslos und aufgegeben. Ich habe das Gefühl als würden verlorene Geister mit mir sprechen. Stimmen in meinem Kopf. Stimmen aus einer Erinnerung. Man versucht mir zu helfen.
Vermutlich treffen viele Wesen auf diesen Ort um in ihrer Einsamkeit sich niederzulegen und zu Ruhen. Kein Tod für mich, aber für viele wahrscheinlich der schönste.
Dieser Wald wirkt sehr friedfertig, andererseits erschüttert und verdorben. Ich glaube nicht dass er das wollte.
Irgendwas zieht mich immer tiefer hinein, ich will wissen was es ist. Die Neugier lenkt mich etwas vom Schmerz ab, das ist gut. Aber lindern tut es das nicht.

In einem unbedachten Moment bricht das Holz unter mir, ich stürze ab. Verdammt! Der Schmerz schlägt wieder an. Kurz bleibe ich liegen und ich denke an viele Dinge die mir einst wichtig waren, und wie sie zu Fall kamen. Ich denke daran wie wir einst alle zusammen heulten.
Warum musste das passieren?
Ich versuche wieder auf den Stamm zu gelangen. Das erweist sich erst als schwierig, aber mit ein paar weiteren Versuchen und einem starken Sprung schaffe ich es.

Der Wald flüstert mir zu. Kichert, aber er meint es nicht böse mit mir. Die Stimmen verwirren mich, aber sie tragen mich weiter. Ich fange an zu rennen.
Die Stimmen sprechen von Weisheit. Und davon dass Hoffnung dort ist, wo keine ist. Ich verstehe was sie mir sagen wollen, und ich folge weiter dem Weg woher die Stimmen erklingen. Irgendwas lebt hier!

Ich treffe auf eine Lichtung. Die Stimmen sind plötzlich verstummt. Ich bewege mich langsam auf die Mitte zu und betrachte was auf dem Boden liegt.
Ein Skelett. Es ist das Gerüst eines Wolfes.

Hoffnung ist da, wo keine ist.

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