Monatsarchiv: Februar 2011

Stille Erinnerung

Der Tannenwald pflegt eine ruhige Nacht.
Hier ist nichts, nur die Sterne leuchten am Himmel. Der Wald umgibt mich mit Dunkelheit, aber der Vollmond scheint von oben für genug Licht in der Nacht.

Diese Nacht erinnert mich an lang vergangene Zeiten. An Zeiten wo ich noch von Fantasie schwärmte. Wo ich glaubte, die Bäume seien Riesen, die nur Nachts wandern, aber zum Morgengrauen wieder auf der alten Stelle stehen.
Damals als ich noch mit meinem Vater zusammen lebte. Ich brauche nur in den Himmel zu sehen um mich daran zu erinnern, welche Reisen wir damals antraten.

Ich war damals noch sehr jung. Es sind manche meine aller ersten Gedanken.
Immer wenn ich mich daran erinnere, und dieses Gefühl spüre wie der warme Wind durch mein Fell fegt, fühle ich einerseits Trauer, andererseits wie neugeboren. Nur dass diese Wiedergeburt immer wieder mit der Trauer verbunden wird, die ich aus meinem Leben nicht entfernen kann. Sie ist immer da, und sie wird nicht vergehen.
Wie eine Erinnerung so demotivierend und motivierend zugleich sein kann, ist mir ein Rätsel. Aber es stimmt, ich werde motiviert.

Ich genieße den Rest dieser Nacht, schwelge weiter in meinen Erinnerungen.
Eine schöne, und traurige Nacht zugleich.

Ein Held muss nicht über gut und böse nachdenken. Ein Held tut das Gute weil er überzeugt davon ist.

Die Kreise der Natur

Es ist warm. Ich höre ein Feuer flackern und knallen. Langsam öffne ich meine Augen, kurz sehe ich nur alles trüb.
Wo bin ich hier? Wie lange war ich fort? Meine Augen gewöhnen sich langsam an die Umgebung, ich sehe schärfer.

Da ist wirklich ein Feuer, ich befinde mich in einem dieser seltsamen Nester von Menschen, Stoffgebilde die wie Schnäbel nach oben gerichtet sind. Wie bin ich hier rein gekommen?
Da sitzt ein alter Mensch auf der anderen Seite des Feuers. Er hat einen Jüngling bei sich. Das Kind fängt an zu lachen als es mich erwachen sieht. Nun schaut auch der alte Mensch zu mir, er lächelt. Haben sie mir geholfen?
Ich schaue an mir runter, um mich herum wurde ein weißes Tuch gewickelt. Die Schmerzen sind zum größten Teil vergangen, ich blute nicht mehr. Wie haben sie das geschafft?

Das Kind steht auf und geht auf mich zu, ich klappe die Ohren ein um es zu warnen. Kurz bleibt es stehen fängt an zu lächeln, und geht weiter. Es setzt sich vor mich und legt erst seine Hand auf meine Seite. Was hat es vor? Langsam bewegt es den Kopf auch auf die Brust zu, mit dem linken Ohr voran. Es lächelt wieder als es meinen Körper abhört, der alte Mensch lächelt auch. Danach entfernt sich das Kind wieder zu dem Alten, sie reden miteinander.

Jetzt steht der alte Mensch auf und geht langsam auf mich zu. Er beugt sich vor mich und legt seine rechte Hand auf meine Stirn. Ich misstraue ihm nicht. Ich habe das Gefühl als würde ich gestärkt werden. So viele Gedanken fließen durch mich durch.

Es ist Zeit zu gehen, Karn.
Erschrocken schaue ich ihn an. Ich kenne diese Stimme! Wie kann ich seine Sprache verstehen? Er lächelt nur und nimmt kurz meinen Ohrring unter betracht. Er lässt wieder davon ab und spricht weiter.
Du kennst die Geister dieser Welt, du hörst sie sprechen. Du weißt wo du hin gehörst, geh dahin.
..Langsam richte ich mich auf und warte auf eine Antwort der Menschen. Der Jüngling bringt eine Schale vorbei, indem der Alte seine Finger hinein stülpt, und daraufhin sie über mein Gesicht streicht. In der Schale befindet sich nur eine rote Farbe.
Der Alte fängt an ein Lied zu singen, der Jüngling fängt daraufhin an zu lachen und zu tanzen. Der Alte schaut ihn freudig an, singt weiter und tanzt mit ihm.

Ich verlasse das Nest und schaue mich um. Hier sind überall Menschen mit weiteren Nestern, drumherum scheint ein Tannenwald zu sein. Ich atme neue frische Luft, ich sehe den Gebirgspass von dem ich kam.
Ich gehe durch die Menge, manche lächeln mich an und winken mir zu. Da sind einige Jünglinge miteinander am Spielen. Als sie mich entdecken rennen sie auf mich zu und streichen mir durchs Fell. Ich weiß nicht was sie tun, aber ich glaube nicht dass sie mich bedrohen. Da vorne ist auch ein Hund der mir eine freundliche Geste zuwirft.

Ich habe auch schon das Ende der Menschensiedlung erreicht, wo ein Mann auf mich zu warten scheint. Er ist genauso bemalt wie ich. Er nimmt einen Bogen und schießt einen Pfeil weit über den Tannenwald weg.
Ich zögere nicht lange und renne der Richtung nach, in den Tannenwald hinein.

Nur geradeaus.

Der Gebirgspass

Je höher ich steige, desto kälter wird es. Je mehr Kraft ich anwenden muss, desto mehr schmerzt mein Weg.
Mit jedem weiterem Schritt, verstehe ich umso weniger was ich hier eigentlich versuche zu schaffen.
Als ob es hier oben was gäbe was mir behilflich sein könnte. Als ob es etwas gäbe was ich nun gerne sehen würde. Hier gibt es nichts, und es ist schlichtweg sinnlos sich hier aufzuhalten.

Ich habe das Gefühl Geister schwirren um mich herum. Erinnern mich ständig daran wo ich hätte sein sollen als es dort nötig war. Erinnern mich daran was mir verloren ging. Ich höre ihre Stimmen.
Ich kann um die Vergangenheit nicht mehr handeln. Hätte ich es besser gewusst, wären meine Entscheidungen anders gefallen. Hätte ich es besser gewusst, wäre ich nun nicht hier.

Ich sehe mich um, ich erkenne nichts mehr als weiß. Ob das an meinen Augen liegt? Ich bin müde.. Ich muss runter von dem Pass.
Ich drehe mich dem Abhang zu, und versuche einfach den schnellsten Weg nach unten nehmen zu können. Aber langsam taste ich mich voran. Unter dem Schnee treffe ich auf einen Stein, mein Bein gibt nach. Ich stürze einen langen Weg nach unten. Ich kämpfe nicht dagegen an.

Langsam hält mich die Dichte des Schnees auf. Halb eingegraben unter Schnee rühre ich mich nicht mehr. Ich bleibe einfach liegen und sehe zu wie sich die Schneedecke weiter bildet. Der Schnee unter mir verfärbt sich langsam rot.
Ich frage mich was die anderen nun von mir denken würden. Was würden sie jetzt tun?
Meine Schwester? Ihr Sohn? Meine Heimat? Meine Freunde und Geliebte? Ein seltsames Szenario.

Ich schließe langsam meine Augen. Nein, sie müssen offen bleiben!
Stimmen in meinem Kopf rufen nach mir. Sie verlangen Stärke in Momenten wo ich sie nicht hab. Mir wird schwindelig, ich weiß nicht mehr wo vorne und hinten ist.
Ich habe nicht das Verlangen zu sterben. Aber doch bin ich gerade sehr.. sehr müde.

Ich träume von der alten Zeit. Von der Zeit wo ich noch nicht verreist bin. Später von der Zeit wo ich anfing zu verstehen. Wo sich das Leben für mich änderte.
Ich träume von meinen Freunden, von der Liebe.
Und nun, träume ich von meinem aktuellem Standort. Kalt.



Verloren von den Geistern glauben wir, wir haben all unsere Chancen verloren. Wir werden wahnsinnig, vergessen uns selbst, jeden den wir kennen. Wir glauben, es existiere in dem Körper nur noch eine Leere. Kein Paddel um dem Fluss entgegenzuströmen. Hoffnungslos, und ohne Ziel vor Augen. Das Herz leidet unter ständigen Angriffen eines Dämons.
Dieser hier ist anders. Er ist gefüllt mit purer Entschlossenheit. Er ist auf der Suche nach den Geistern die ihn verlassen haben, geführt von seinem Willen.
Der Dämon existiert, doch er lässt sich von ihm nicht den Weg weisen. Er hat schon oft gegen ihn gekämpft, in seinen Träumen. Und er wird es wieder tun.
Seine Entschlossenheit reicht aus um Berge zu bewegen. Aber seine Hoffnungslosigkeit wird ihn verfolgen bis er einen Gegenbeweis dafür hat.

Das Tal

Ich entdecke zwischen den vielen alten Bäumen einen Spalt, Licht strahlt hindurch.
In aller Ehre verlasse ich den Wolf, ich danke ihm. Er hat mir Kraft gegeben.
Ich weiß nun wo ich hin gehöre, mein Weg führt mich weiter an ihm vorbei. Weiter in die Ewigkeit in welche ich mich bewege.
Ich renne auf die Lichtquelle zu, dabei werde ich etwas geblendet, da sich meine Augen noch an das Licht gewöhnen müssen. Mir ist klar geworden wer ich bin. Dass mein Weg mich immer weiter führt.
Während ich renne höre ich die Bäume an mir vorbeirauschen, ich werde schneller, ich gebe nicht mehr nach.

Abrupt bleibe ich an einem Felsrand stehen. Mir eröffnet sich ein rauer Gebirgstal, die Sonne geht gerade auf. Nur wenige Bäume, aber viel Felsen und Gras.
Langsam begebe ich mich die Felswand hinunter, ich spüre die Wärme der Sonne. Sie tut mir gut. Unten angekommen laufe ich zu einem Fluss um mir die Wunden auszuwaschen. Die Wunden werden bald verheilen, aber noch schmerzen sie. Sie sind nicht gerade klein, noch werden sie mich behindern.

Das Tal erinnert mich an vergangene Zeiten, an eine alte Heimat. Teils gute Erinnerungen, aber auch schlechte. Ich schaue ins Wasser und betrachte mein Spiegelbild. Ich erkenne mich wieder.
Ich schließe die Augen, atme tief durch und spüre wie der Wind durch mein Fell fegt.
Ich muss auf dem richtigen Weg sein. Denke ich jedenfalls.
Ich muss plötzlich husten, und ich sehe wie sich das Wasser rot verfärbt. Was ist mir bloß im Sumpf zugestoßen? Obwohl ich so fern davon bin, kämpft es immer noch gegen mich.

Ich steige wieder aus dem Wasser, schüttel es mir aus dem Fell heraus.
Da ist was! Schnell weiche ich zurück. Erst beim Sicherheitsabstand erkenne ich, dass es sich um eine Schlange handelt der ich ausgewichen bin. Sie gibt merkwürdige Geräusche von sich.
Ich habe erkannt, dass die Ranken der Vergangenheit einen schnell einholen können. Ehe man sich versieht ist man gefangen, und man verliert sich selbst in einer düsteren Welt. Man sagt, Schmerz ist vergänglich. Aber Erinnerungen sind ewig. „Man fühlt sich verfolgt von einer Verantwortung der man vielleicht aus dem Weg gegangen ist. Einem Versprechen dass man nicht halten konnte.“ Und dann bist du gefangen!
Ehrfürchtig mache ich einen großen Bogen um die Schlange, ich will sie nicht stören.

Ich laufe weiter den Fluss entlang, in Richtung Sonnenaufgang. Anstrengend für meine Augen.
Ich weiß nicht wirklich wohin ich gehe, aber ich muss weiter.
Das Flusswasser hat mich gut gestärkt für meine weitere Reise. Vielleicht ist die Reise das, was ich suche, oder brauche. Ich muss auf dem Weg bleiben, dann fühle ich mich richtig. Das hat er mir klar gemacht.
Ich werde diesen Wolf nie vergessen.

Hoffnung ist da, wo keine ist.
Was ist dann da, wo welche ist?